Gedichte

Liebe    Trauer    Hoffnung
Wie wird es sein

Wie wird es sein, wenn wir uns wiederseh´n?
Wirst Du mir dann schon entgegen geh´n?
Werden wir uns überhaupt begegnen?
Wirst Du mich bei meiner Ankunft segnen?

Werd ich Dich dann einfach so erkennen?
Wirst Du mich bei meinem Namen nennen?
Nehmen wir uns zärtlich bei der Hand?
Führst Du mich in unser Heimatland?

Wirst Du groß sein oder bist Du klein?
Jedenfalls wirst Du voll Weisheit sein!
Und Du weißt bestimmt und sicherlich,
wie sehr im Leben ich vermisste Dich.

Verbringen wir zusammen die Ewigkeit?
Zählt für uns nie mehr das Maß von Raum und Zeit?
Ich freu´mich sehr auf unser Wiederseh´n
und bin gespannt, wie das einst wird gescheh´n.
 

(Eva-Maria Wenglarz)



Woher kommen wir, 
was wird aus uns?

Ein Schnurps grübelt

Also, es war einmal eine Zeit,
da war ich noch gar nicht da.
Da gab es schon Kinder, Häuser und Leut
und auch Papa und Mama,
jeder für sich -
bloß ohne mich!

Ich kann mir´s nicht denken. Das war gar nicht so.
Wo war ich denn, eh es mich gab?
Ich glaub´, ich war einfach anderswo,
nur, dass ich´s vergessen hab´,
weil die Erinnerung daran verschwimmt -
Ja, so war's bestimmt!

Und einmal, das sagte der Vater heut´,
ist jeder Mensch nicht mehr hier.
Also gibt's noch: Kinder, Häuser und Leut´,
auch die Sachen und Kleider von mir.
Das bleibt dann für sich -
bloß ohne mich.

Aber ist man dann weg? Ist man einfach fort?
Nein, man geht nur woanders hin.
Ich glaube, ich bin dann halt wieder dort,
wo ich vorher gewesen bin.
Das fällt mir dann bestimmt wieder ein.
Ja, so wird es sein!

(Michael Ende)
 
 
 

Das Sterben

Vielleicht ist es
kein Weggehen
sondern Zurückgehen?

Sind wir nicht unterwegs
mit ungenauem Ziel
und unbekannter Ankunftszeit
mit Heimweh im Gepäck?

Wohin denn
sollten wir gehen
wenn nicht
nach Hause zurück?

(Anne Steinwart)

Kerzen für dich?

Wie viele Kerzen
habe ich dir angezündet...
Nein nicht dir - mir

Du kennst
keinen Tag keine Nacht
kein Hell kein Dunkel

Ich
brauche das Licht
um mich nicht zu verlieren
im Trauerlabyrinth

Vielleicht komme ich
irgendwann
an seinem  Ausgang an

(Renate Salzbrenner)



Auf den Tod eines
 kleinen Kindes

Jetzt bist du schon gegangen, Kind,
Und hast vom Leben nichts erfahren,
Indes in unsern welken Jahren
Wir Alten noch gefangen sind.

Ein Atemzug, ein Augenspiel,
Der Erde Luft und Licht zu schmecken,
War dir genug und schon zuviel;
Du schliefest ein, nicht mehr zu wecken.

Vielleicht in diesem Hauch und Blick
Sind alle Spiele, alle Mienen
Des ganzen Lebens dir erschienen,
Erschrocken zogst du dich zurück.

Vielleicht wenn unsre Augen, Kind,
Einmal erlöschen, wird uns scheinen,
Sie hätten von der Erde, Kind,
Nicht mehr gesehen als die deinen.

(Hermann Hesse)

Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust,
wird es dir sein, als lachten alle Sterne,
weil ich auf einem von ihnen wohne,
weil ich auf einem von ihnen lache.

Du allein wirst Sterne haben, die lachen können.
Wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein,
mich gekannt zu haben.

(aus "Der kleine Prinz)


Denke wieder 
an die kleine Hand
die deine Hand einst hielt
damals -

Die kleine Hand
will jetzt dein Herz
vor Bitterkeit bewahren

Die kleine Hand
die deine Hand einst hielt
kann jetzt dein Leben heilen

(Sascha Wagner)
 

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